Ute Rollstuhl Astrid Pahl

Kein Tag ist wie der andere

Die abwechslungsreiche Arbeit bei der Alltagsbegleitung bereitet große Freude

Morgens weiß sie nie, was sie im Laufe des Tages erwartet. Überraschungen sind inbegriffen. Aber genau diese Art von Arbeit bereitet Astrid Pahl große Freude. Seit Oktober 2018 ist die ausgebildete Hauswirtschaftsleiterin und  Trauerbegleiterin beim Maschinenring Mittelholstein als  Alltagsbegleitung im Einsatz. Neben ihren eigenen Besuchen bei ihren Kunden koordiniert sie die Einsätze der fünf Kolleginnen. Erstkontakte und Aufnahmegespräche sind zu führen, Arbeitseinsätze abzusprechen. Wer passt in welche Familie? Die Chemie zwischen den Menschen sollte stimmen. Die Haushaltshilfen des Maschinenrings Mittelholstein sind ebenfalls in der  Alltagsbegleitung tätig. Der Bedarf ist groß.

Astrid Pahl kommt aus der Hospizarbeit

Sie wollte sich beruflich noch einmal verändern und hat sich bewusst für dieses unterstützende Tätigkeitsfeld entschieden. Generell hängt das Aufgabengebiet der Alltagsbegleiterinnen von der zu betreuenden Person ab und kann sehr unterschiedlich sein. Da kann es um den Hausputz oder um unterschiedliche Bedürfnisse aufgrund körperlicher oder kognitiver Beeinträchtigungen gehen. „Die Zahl der Demenzkranken nimmt zu und sie fielen bei der Begutachtung in Bezug auf eine Pflegebedürftigkeit bisher durch das Raster“, ist Astrid Pahl froh über diese neue Möglichkeit der Betreuung. Spiele oder Gedächtnistraining können genauso einen Schwerpunkt der Begleitung ausmachen wie gemeinsames Fernsehen, Fahrten sowie die Unterstützung beim Kochen oder wenn Gäste kommen. Ganz wichtig dabei: Pflege, Körperpflege oder die Verabreichung von Medikamenten übernehmen die Alltagsbegleiterinnen nicht.

Der Start ist nicht immer einfach

Skepsis zu Beginn eines neuen Kontaktes ist häufig an der Tagesordnung. „Hilfe anzunehmen bedeutet häufig eine eigene Schwäche einzugestehen“, weiß Astrid Pahl.  „In der Regel tritt nach dem zweiten oder dritten Besuch aber das notwendige Vertrauen ein,“ kann sie aus Erfahrung berichten.

Entscheidender Vorteil dieser Tätigkeit ist es für sie unter anderem, dass betroffene Personen in ihrem häuslichen Umfeld bleiben können, wenn sie ihre Aufgaben nicht mehr allein wahrnehmen können. Auch wenn es im Monat nur einige Stunden sind, die den Betroffenen zustehen,  sieht Astrid Pahl das Positive an dieser Zeit: „Immerhin sind es einige Stunden“, so ihre Einstellung. Oder betreuende Angehörige werden entlastet, indem ihnen Zeit zur Erholung ermöglicht wird.

So geschieht es bei Sandra Voßberg. Ihre achtjährige Pflegetochter ist Autistin und  kommt mit kurzfristigen Veränderungen in ihrem Umfeld nicht zurecht. Sie braucht klare Strukturen und die volle Aufmerksamkeit einer bekannten Bezugsperson. Im Alltag kann sie unerwartet anders reagieren als erwartet. Planbar ist wenig im Alltag ihrer Mutter. Über eine  Mitarbeiterin des Maschinenrings Mittelholstein erfuhr Sandra Voßberg von dem Angebot und nimmt jetzt den wöchentlichen Hausputz gern in Anspruch. „Mir ist ein wesentlicher Druck genommen, wenn das Haus sauber ist. In dieser Zeit kann ich mich  um meine Tochter kümmern“, ist die Mutter von insgesamt vier Kindern sehr zufrieden mit der Dienstleistung. Und ganz wichtig: Sie muss sich nicht um das Abrechnen mit der Pflegekasse kümmern. Das übernimmt der Maschinenring.

Wer nimmt Hilfe an ?

Die Alltagsbegleiterinnen sind also nicht nur für ältere Menschen und auf landwirtschaftlichen Betrieben im Einsatz. Sogar 80 Prozent der Aufgaben des Maschinenringes Mittelholstein werden in Privathaushalten wahrgenommen. Aber auch auf den Höfen funktioniert die Fürsorge mithilfe der Angehörigen nicht mehr so wie es früher der Fall war. Der Strukturwandel zeigt seine Auswirkungen. Die Kinder sind in anderen Berufsfeldern und vielleicht weit entfernt beschäftigt.  Nachbarn und Freunde helfen mitunter. Astrid Pahl spricht dann von „Zugehörigen“- die Ehrenamtlichen, die dazugehören.

Erfahrungen gesammelt

Seit 2017 ist der Maschinenring Mittelholstein in diesem Bereich als Dienstleistungsunternehmen beim Landesamt für soziale Dienste anerkannt und damit Vorreiter im Norden Deutschlands. Mittlerweile betreuen die Mittelholsteiner knapp 60 Kunden in ihrem Ringgebiet. „Die Anfahrt für unsere  Mitarbeiterinnen darf allerdings nicht zu weit sein“, so Astrid Pahl.

Zwei Maschinenringe in Schleswig-Holstein haben bereits Erfahrungen mit dieser neuen Aufgabe gesammelt. Nach dem Maschinenring Mittelholstein und dem Maschinenring Dithmarschen werden weitere Ringe diesen Dienst zukünftig anbieten. In Schleswig-Holstein wird  beim Landesamt für Soziale Dienste  der Antrag auf Anerkennung gestellt. Dort ist auch zu erfahren, welche  Voraussetzungen zu erfüllen sind. 

Auch in Niedersachsen sind bereits Maschinenringe als Entlastungsangebot anerkannt. Seit 2018 ist der Maschinenring Nordwest tätig. Seit diesem Jahr sind anerkannt die Maschinenringe GöttingenWesermünde-Osterholz sowie der Maschinenring Aurich. Zuständige Behörde für die Anerkennung in Niedersachsen ist das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie in Hildesheim. Die Abrechnung hauswirtschaftlicher  Leistungen durch die Pflegekassen erfolgt auch hier nur mit Anbietern, die vom Land als „Angebot zur Entlastung im Alltag (AZUA)“ anerkannt worden sind.  Grundsätzlich muss ein Konzept vorgelegt werden, in dem das Angebot beschrieben wird. Informationen zu den weiteren Voraussetzungen erteilt das Landesamt.

Mehr zu: Pflegebedürftige haben Anspruch auf Unterstützung 

Autorin : Dagmar Hofnagel

Erstmals erschienen im Maschinenringmagazin 4/2019


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