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Wie weit reicht das Futter?

Grundfutterknappheit - was tun ?

Hitze und Trockenheit führten auch 2019 wieder zu starken Mindererträgen, unsere Expertin zeigt Lösungen auf.

Guter erster und zweiter Schnitt

Viele Futterbaubetriebe ernteten deutschlandweit qualitativ und quantitativ einen guten ersten und zweiten Schnitt. Aufgrund unzureichender Niederschläge, hoher Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung verschlechterten sich die Aussichten für die Folgeschnitte ab Mitte Juni vor allem in der Mitte Deutschlands massiv. Der dritte und vierte Schnitt waren regional nur Pflegeschnitte, so dass nun im Herbst auf einen letzten guten Schnitt gehofft wird. Die geerntete Grassilagemenge dürfte etwa um ein Drittel geringer ausfallen. Hinsichtlich der Maisbestände waren erhebliche regionale Unterschiede zu beobachten. Fehlende Niederschläge in der Blüte verhinderten eine ausreichende Ausbildung von Maiskolben. Die Folge sind Maissilagen mit geringerem Stärkegehalt und somit einem verringerten Futterwert.  

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Wie hoch ist der Bedarf ?

Wird die gute fachliche Praxis bezüglich des Trockenmassegehaltes und der Dichtlagerung im Rahmen der Silierung eingehalten, sind folgende Grobfuttervorräte an Gras- und Maissilagen überschlägig zur Verfügung zu stellen:

                        Milchkühe:      20 m³/Kuh/Jahr
                        Färsen:           10 m³/Tier/Jahr
                        Rindermast:   10 m³/Tier/Jahr

Sind diese Vorräte nicht vorhanden, muss der Betrieb reagieren, es bieten sich bei knappen Grobfuttervorräten folgende Reaktionsmöglichkeiten:

  • Grobfutter zukaufen
  • Kraftfuttereinsatz erhöhen
  • Rationen umstellen
  • Anbau neu planen
  • Tierbestand abstocken

Futterzukauf

Der Grobfutterzukauf spielt sich wegen der begrenzten Transportwürdigkeit der Futtermittel in aller Regel nur auf regionaler Ebene ab. Grassilage wird meistens ab Silomiete gehandelt. Maissilage wird dagegen häufiger ab Feld verkauft und besitzt im Futterzukauf einen größeren Umfang als der Handel mit Grassilage. Futterlücken lassen sich zum Teil auch durch den Zukauf von energiereichen Saftfuttern in Form von Pressschnitzeln oder Biertreber schließen. Vor einer Kaufentscheidung ist in allen Fällen die Preiswürdigkeit zu prüfen.

Kraftfuttereinsatz erhöhen

Bekannt ist, dass Kraftfutter Grobfutter aus der Ration verdrängt. Man könnte den Kraftfuttereinsatz bis an die physiologische Grenze erhöhen. Dem sind allerdings enge Grenzen gesetzt, da die Rationen immer Wiederkäuer gerecht bleiben müssen. Kalkulationen zeigen, dass man durch erhöhten Kraftfuttereinsatz etwa 5 bis 10 % des Grobfutters physiologisch vertretbar einsparen kann. Zu prüfen sind hierbei die Futterkosten, da alle bisherigen Auswertungen zeigen, dass eine hohe Milchleistung aus Grobfutter wirtschaftliche Vorteile bietet.

Rationen umstellen

Die knappen Vorräte an Gras- und Maissilage sollten vor allem den Milchkühen vorbehalten sein. Ab etwa 200 kg Lebendmasse können Färsen mit wenig oder völlig ohne Gras- und Maissilage gefüttert werden. Zum Einsatz kommen dann Biertrebersilage, Stroh, Futter aus dem Zwischenfruchtanbau und Kraftfutter.

Anbau neu planen

Zur Erhöhung der Grobfuttervorräte kann Wintergetreide angebaut werden, welches im Mai/Juni nächsten Jahres als Getreideganzpflanzensilage (GPS) geerntet wird. Nach einer früh räumenden GPS wird Feldgras als Zwischenfrucht mit Herbst- und Frühjahrsnutzung erfolgreich angebaut. GPS kann in Milchkuhrationen Maissilage zum Teil ersetzen und die Futterlücke bis zur neuen Maisernte schließen. Insgesamt wird deutlich, dass die Fütterung wesentlich aufwändiger wird, da mehr Silomieten im Anschnitt sind. Bei geringerem Vorschub an den einzelnen Mieten erhöht sich die Gefahr von Nacherwärmung.

Tierbestand abstocken

Diese Maßnahme sollte nur als letzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden, wenn alle zuvor beschriebenen Anpassungsreaktionen nicht ausreichen. Deshalb wird sie hier auch nur der Vollständigkeit wegen erwähnt.

Fazit

Die Futtervorräte sind in vielen Betrieben nach zwei ertragsschwachen Jahren weitestgehend erschöpft. Anpassungsmöglichkeiten bestehen im Futterzukauf, vermehrtem Kraftfuttereinsatz, Erstellen von Gras- und Maissilage freien Rationen für ältere Färsen sowie in einer veränderten Anbauplanung.

Text: Jana Denißen, Landwirtschaftskammer NRW. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Erstmals erschienen bei www.dlg.org

Foto: Agrarzeitung 2019

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