Vertrag

Arbeitnehmer-überlassung in der Landwirtschaft

Was tun, wenn der Wachstumsfortschritt eines Betriebes nicht groß genug für eine Vollzeitarbeitskraft ist?


Durch das Wachsen der landwirtschaftlichen Betriebe entsteht ein erhöhter Arbeitskräftebedarf, jedoch ist der Wachstumsfortschritt eines Betriebes nicht immer groß genug, um eine weitere Vollzeitarbeitskraft, die jährlich Kosten zwischen 25.000 und 35.000 Euro verursacht einzustellen. Besonders im Milchvieh- und Sauenbereich geraten Betriebe aufgrund der Ausdehnung der Produktionskapazitäten arbeitswirtschaftlich an ihre Leistungsgrenzen – dementsprechend muss die Arbeitserledigung über Teilzeitkräfte erfolgen. 



Aber welches Arbeitskräfte-Modell stellt sich dabei als effizientestes heraus?

Fakt ist, dass Teilzeitkräfte ein entsprechend geringes Einkommen erhalten, was für den Lebensunterhalt einer Familie nicht ausreicht. Heutzutage gibt es jedoch Lösungen für jeden Arbeitskräftebedarf in landwirtschaftlichen Betrieben, wie unter anderem der überbetriebliche Einsatz der Fremdarbeitskraft – Stichwort Arbeitnehmerüberlassung. Auf diese Art und Weise besteht die Möglichkeit, eine Arbeitskraft in mehreren Betrieben gleichzeitig zu beschäftigen.

Aber wie funktioniert die Konstellation der Arbeitnehmerüberlassung?

Zunächst einmal schreibt ein Landwirt einen Arbeitsplatz für eine Vollzeitbeschäftigung aus und schließt einen entsprechenden Vollzeitvertrag mit dem Arbeitnehmer ab. Da der Landwirt die Arbeitskraft nicht voll beschäftigen kann, leiht er diese an einen anderen Landwirten aus und lässt sich die Kosten dafür erstatten. Es entsteht eine sogenannte Arbeitgeberkooperation. Rechtlich gesehen hat der Arbeitnehmer nur einen Arbeitgeber, der sich für sämtliche Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsvertrag verpflichtet. Wird die Arbeitskraft zeitweise zu anderen Kooperationspartnern delegiert, wird die Lohnzahlung nach wie vor vom verleihenden Landwirten getätigt. Dementsprechend ist der Landwirt dafür zuständig das Arbeitsverhältnis beim Finanzamt zu melden und die Sozialversicherungsbeiträge abzuführen – im gleichen Zuge ist aber auch nur er Weisungsbefugt gegenüber dem Arbeitnehmer. Der entleihende Betrieb wird nur zahlungspflichtig, wenn der verleihende Landwirt seine Zahlungspflichten nicht erfüllt. Für den entleihenden Betrieb steht die ausgleichende Arbeitskraft haftungsrechtlich den eigenen Arbeitskräften gleich. Laut Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) handelt es sich hierbei um das klassische Prinzip einer Arbeitnehmerüberlassung.

Auf welche gesetzlichen Richtlinien muss bei einer Arbeitnehmerüberlassung geachtetwerden? 
Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz bezieht sich in seiner ursprünglichen Zielsetzung auf die kommerzielle Leiharbeitsbranche (gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung). Gemäß §1Abs. 1 des AÜG muss der Landwirt die Erlaubnis bei der zuständigen Regionaldirektion derBundesagentur für Arbeit einholen und diese in den ersten 3 Jahren auch jährlich gebührenpflichtig neu beantragen (jeweils 750 Euro). Dies gilt aber nicht für einen Betrieb mit weniger als 50 Beschäftigten, der dieses Arbeitskraft-Modell nutzt, um Kurzarbeit oder Entlassungen an einen Arbeitgeber von einem Arbeitnehmer (Dauer bis zu 12 Monaten) überlaesst, sofern er die Überlassung vorher schriftlich der Bundesagentur für Arbeit angezeigt hat (§1a AÜG). Einausnahmsweiser Austausch von Arbeitskräften direkt zwischen zwei Kooperationspartnern, bei dem das dafür geleistete Entgelt die Eigenkosten des aushelfenden Kooperationspartners nicht übersteigt, dürfte keine erlaubnispflichtige Arbeitnehmerüberlassung sein. Beispielsweise können Arbeitskräfte, im Sinne von gegenseitiger Nachbarschaftshilfe ausgetauscht werden, ohne dass es als Arbeitnehmerüberlassung angesehen wird.

Welche Vorteile bietet eine Arbeitnehmerüberlassung dem Betrieb?

Es ist durchaus ein Problem Arbeitskräfte zu finden, wenn nur sehr kleine Verträge, wie beispielsweise unbefristeteVerträge in Teilzeit zu vergeben sind – mal ganz davon abgesehen, dass unbefristete Verträge auch sehr kostspielig für den Betrieb sind. Die Arbeitgeberzusammenschlüsse ermöglichen es Vollzeitarbeitsverhältnisse anzubieten, auch wenn es sich um ein Unternehmen mit einem kleinen Arbeitsaufkommen handelt. Fakt ist, dass die Auftragslage in der Landwirtschaft sehr häufig schwankt und die Betriebe aufgrund der Saisonabhängigkeit stets auf Zeitarbeiter und befristete Angestelltenverhältnisse zurückgreifen müssen, wodurch hohe Kosten, Schwierigkeiten bei der Einarbeitung und der Integration in den Betrieb aufkommen. Indem die kooperierenden Unternehmen die Arbeitskräfte teilen, können diese stets auf dieselben gut ausgebildeten und eingearbeiteten Leute zurückgreifen. Es handelt sich dabei um den Einsatz von „treuen“ Teilzeitkräften, wodurch die Produktivität in dem Betrieb deutlich erhöht wird. Nicht zu vergessen ist, dass die Kosten eines Angestellten aus dem AGZ zwischen 10 und 30% unter denen einer Zeitarbeitsfirma liegen. Außerdem kann die die Zahl der Beschäftigten sehr leicht an den Bedarf des Betriebes angepasst werden, mit der Sicherheit, dass das Personalmanagement professionell erfolgt. 



Welche Vorteile bietet eine Arbeitnehmerüberlassung dem Beschäftigten? 


Im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung profitiert der Beschäftigte von zahlreichen Vorteilen. 
In einem schriftlichen Arbeitsvertrag sind die Arbeitsbedingungen, die Bezahlung, die zu erwartete Qualifikation sowie eine Liste mit potentiellen Einsatzbetrieben festgehalten. Der Arbeitnehmer erhält den Zugang zu sämtlichen Einrichtungen der kooperierenden Unternehmen zu den selben Bedingungen wie deren Angestellte. Des Weiteren profitiert der Beschäftigte von einer tariflichen Absicherung und einer Personalvertretung, in Form von Delegierten, Betriebsräten, Arbeitssicherheitsbeauftragte und viele Weitere. Es handelt sich um einen sicheren Arbeitsplatz, bei dem die Kapazität der Arbeitskraft vollkommen ausgeschöpft wird. Obwohl der Angestellte im Arbeitnehmerüberlassungs-Modell nur einen einzigen Arbeitgeber hat, erwarten diesen abwechslungsreiche Aufgaben, die Monotonie und Langeweile verhindern sowie vielfältige Arbeitsumgebungen, wodurch die Anpassungsfähigkeit gesteigert wird und zur Bildung und Kompetenzentwicklung beiträgt. 

Der Beschäftige ist vollkommen flexibel einsetzbar – gerade von kleinen und mittleren Unternehmen verlangt diese Flexibilisierung neue Formen der Kooperation, um die Bereitschaft und Fähigkeit zu einer stärkeren Selbstorganisation ihrer Tätigkeiten zu stärken.

Wenn das Thema Arbeitgeberüberlassung für Sie interessant sein kann, dann fragen Sie doch gern bei einem der 30 Maschinenringe in Niedersachsen nach weiteren Informationen.

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