Landwirt im Stall

Schweineprofi im Milchviehstall

100 kg gegen 650 kg

Die frisch abgekalbte Kuh wollte nicht dieselbe Richtung wie Ferdinand Funke einschlagen: „Da standen plötzlich 100 kg gegen 650 kg und ich hatte keine Chance“, so das nüchterne Fazit des Landwirts aus dem niedersächsischen Ammensen. Das Resultat: Sehnenabriss in der Schulter.

Als Ferdinand Funke nach dem abendlichen Ereignis im Juni am nächsten Morgen merkte, dass er das Melkgeschirr nicht mehr anheben konnte war klar: da ist mehr bei dem Machtkampf mit der Kuh passiert. Der Weg zum Arzt war vorprogrammiert. Eine Operation war allerdings frühestens im September möglich. Bis dahin war der Familienvater von vier Kindern und Betriebsleiter mit dieser Verletzung aber nicht voll einsetzbar.

Wie gehts weiter?

Der älteste Sohn Benedikt ist zwar bereits im Betrieb mit beschäftigt. Für ihn allein die 115 Kühe mit Nachzucht, Bullen für die Mast und 80 ha Ackerbau zu bewältigen war dennoch zu viel. Gespräche mit der Berufsgenossenschaft ergaben, dass eine spontane Hilfe für den Betrieb nicht möglich war. Aber dort wurde die Familie auf den Maschinenring Harz-Weser verwiesen. „Die bieten Fachkräfte beim Ausfall eines Betriebsinhabers an“, so die Aussage. Ferdinand Funke ist noch heute froh, dass er Sabine Hagemann, die Geschäftsführerin des Maschinenringes kennengelernt hat. „Von dort kamen gleich die richtigen und wichtigen Tipps“, ist er sehr zufrieden. „Wir haben gar nicht gewusst, was wir alles in unserem Fall berücksichtigen mussten“.

Betriebshilfe - keine Fehler machen bei der Antragstellung

So erfuhr er unter anderem, dass ihm als Landwirt zeitlich keine unbegrenzte Hilfe zusteht. Der erste Antrag gilt für vier Wochen. Mit einem zweiten Antrag kann die Betriebshilfe auf insgesamt maximal zwölf Wochen verlängert werden. Das im Falle eines landwirtschaftlichen Betriebsunfalls individuelle Lösungen für die Dauer der Betriebshilfe geltend gemacht werden können. So überbrückte der staatlich geprüfte Landwirt die Situation zunächst mit eigenen Lösungen. Das AGZ Harz-Weser, eine Gesellschaft des Maschinenringes Harz-Weser, kam mit dem Gang ins Krankenhaus zum Einsatz.

Besonnen mit Tieren und Maschinen umgehen

Und damit erschien Sebastian Wollersen-Birkner auf dem Betrieb im Landkreis Holzminden. Der staatlich geprüfte Betriebswirt der Landwirtschaft ist als Fachkraft beim Arbeitgeberzusammenschluss Harz Weser, einer Tochtergesellschaft des Maschinenrings angestellt. Ein Schweinefachmann - und jetzt Milchkühe und Bullenmast? Konnte das gut gehen? Skepsis kam erst gar nicht auf. Die Chemie zwischen der Fachkraft und der Familie passte. „Ich war ja auch bald wieder auf den Beinen und konnte Sebastian wenigstens erklären, was und wie es zu tun war“, ist Ferdinand Funke sehr zufrieden mit dem Einsatz. Er selber konnte natürlich nicht arbeiten. „Und er hat sich schnell in unsere Abläufe eingefügt. Wir haben uns gern an den neuen ruhigen Mitarbeiter gewöhnt“. Was dem 55jährigen auch wichtig war: der Betriebshelfer ist ruhig, besonnen und umsichtig sowohl mit den Tieren als auch mit den Maschinen umgegangen. Zudem hat er ihn als kontaktfreudig und offen in Erinnerung. „Die neuen Aufgaben hat er schnell und gut umgesetzt“. Neben dem Melken und dem Versorgen der Tiere waren noch Außenarbeiten wie Güllefahren oder Weidezaunreparaturen zu erledigen.

Jeder Einsatz ist anders

Auch der 38jährige Wollersen-Birkner erinnert sich gern an die Zeit im Ammensen. „Es war durchaus eine Herausforderung. Aber ich habe sehr viel dazu gelernt, was ich auf anderen Betrieben wieder gebrauchen kann“, so das Fazit der hauptberuflich angestellten Fachkraft beim Maschinenring. Der zweifache Familienvater stammt auch von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Bockenem. Der Hof wird aber nicht mehr bewirtschaftet. Insgesamt war der engagierte Landwirt drei Monate in Ammensen tätig. Abends ist er immer nach Hause zu seiner Familie gefahren. Für beide Parteien war diese Zeit in jedem Fall ein Gewinn.

Text und Foto: Dagmar Hofnagel

Lesen Sie auch: Ein Job für Profis

Wichtig: Denken Sie dran die Betriebshilfe vor Inanspruchnahme von selbstorganisierten Helfern zu beantragen und vorher alle Eventualitäten zu klären, damit auch eine korrekte Kostenübernahme für die Arbeitskraft erfolgen kann.

Alle wichtigen Formulare der SVLFG finden sie hier 

Haben sie weitere Fragen oder sind unsicher wenden Sie sich vertrauensvoll an ihren zuständigen Maschinenring.

Notfallordner - hilfreich für Betriebshelfer und Familie

Oft kommt der Ausfall des Betriebsleiters unangekündigt und nicht immer können Entscheidungen vom Krankenbett aus getroffen werden. Ein Ordner für den Notfall muss her - das hilft der Familie und dem Betriebshelfer. Mehr dazu lesen Sie hier.

Weitere Artikel

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren.

Kommentare