Frischer Beton mit Baustahlmatte

Biogas (wie) geht es weiter ?

Bis 2030 läuft für einen Großteil der gut 9.000 Biogasanlagen die 20-jährige Vergütung des Erneuerbare Energien Gesetzes aus und für die erste Generation EEG-Anlagen steht dieser Zeitpunkt unmittelbar bevor. Gleichzeitig steigen die technischen und rechtlichen Anforderungen an den Betrieb von Biogasanlagen mit jedem Jahr. Die meisten Betreiber stellen sich deshalb jetzt die Frage, welche Optionen sich ihnen nach Ablauf der Vergütungsdauer bieten und ob bzw. wie sie den Wechsel in lohnende Betriebsmodelle schaffen können.

Chancen für den Weiterbetrieb?

Mehr als Dreiviertel der Anlagen mit Vor-Ort Verstromung nimmt bereits an der Direktvermarktung teil. In den letzten Jahren wurde deshalb vorwiegend in den Zubau von BHKW- und Gasspeicherkapazitäten investiert, um die so genannte Flexibilisierung zu erreichen. Insgesamt weist der Anlagenbestand noch erheblichen Optimierungsbedarf mit Blick auf den real flexiblen Anlagenbetrieb auf.

Grundsätzlich bieten sich für den Weiterbetrieb von Biogasanlagen folgende Perspektiven an:

  • Erhöhung der Wärmevermarktung
  • Zusatzerlöse an der Strombörse durch Fahrplanbetrieb inkl. der Bereitstellung von Systemdienstleistungen
  • Sonstige Direktvermarktung oder Eigenversorgung
  • Umrüstung auf Biogasaufbereitung zu Biomethan (Gasnetzeinspeisung) und Verwertung über den Kraftstoffquotenmarkt
  • Einnahmen aus der CO2-Bepreisung, Nährstoffmanagement bzw. Nährstoffveredlung

Die zukünftigen Rahmenbedingungen für alle genannten Optionen sind weitgehend unklar und eignen sich (noch) nicht als Entscheidungsgrundlage für strategische oder gar konkrete Investitionsentscheidungen.

Chancen in Sicht !

Klar ist, dass der Einsatz weiterer Gülle- und Reststoffmengen durch geeignete rechtliche Förderinstrumente stärker angereizt werden wird. Klar ist auch, dass die EU-Richtlinie RED II bereits heute konkrete Werte für die Anrechnung von Biomethan aus diesen Substraten für die Quotenerfüllung im Kraftstoffsektor benennt. Allein die Umsetzung der ökonomischen Regelungen in nationales Recht fehlt.

Rechtliche Hürden

Stattdessen wurden in der 38. BImSchV hohe Anforderungen an die Nachweisführung definiert. Ähnlich sieht es in anderen Rechtsbereichen aus: Ob TRAS 120, 44. BImSchV, AwSV, DüngeV, BetrSichV oder TRGS 529 – diese und weitere Vorschriften halten zusätzliche technische und organisatorische Anforderungen bereit, die den Betrieb einer Bestandsanlage erschweren. Ob alle Anlagen den Sprung in die Unabhängigkeit von einer EEG-Vergütung schaffen werden, ist deshalb nicht sicher. Mit den richtigen Vorgaben könnten sie sich aber zum wertvollen Dienstleister für die Landwirtschaft entwickeln, die zukünftig erheblich zu mehr Biodiversität, Schutz des Grünlandes und der Gewässer sowie der CO2-Einsparung beitragen.

Blick nach vorne

Mit Spannung bleibt deshalb abzuwarten, welche konkreten Maßnahmen das Klimapaket der Bundesregierung hierzu bereithalten wird. Noch in 2020 sollen neue Förderinstrumente für die Landwirtschaft geschaffen werden, um mehr Wirtschaftsdünger in einen klima- und gewässerschonenden Kreislauf zu bringen. Biogasanlagen werden hier eine Rolle spielen, nur ist noch nicht klar, ob es sich eher um Zuschüsse für Investitionen oder dauerhafte Vergütungen für Umweltleistungen oder eine Kombination aus Beidem handeln wird.

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Text: Dr. Sarah Gerig, Foto: Landpixel

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