Bodenproben_Februar_2019

Bodenproben richtig entnehmen

Ist es mal wieder an der Zeit Bodenproben zu entnehmen und den Versorgungszustand des Landwirts wichtigsten Gutes zu überprüfen? Ja, das Frühjahr steht kurz vor der Tür. Noch mag die Vegetation im Winterschlaf ruhen, aber ehe man sich versieht ist es März und die ersten Landwirte werden ungeduldig, viel zu lang war er mal wieder, der Winter.

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Bevor es richtig los geht wäre es gut zu wissen, wie es um Mikro- und Makronährstoffe auf dem Acker und dem Grünland steht. Wer im Herbst noch keine Bodenproben entnommen hat, kann dies jetzt immer noch tun, entweder selbst oder man lässt die Arbeit von einem der zahlreichen Probennehmer erledigen. Wichtig ist natürlich das der Boden nicht zu stark gefroren ist oder extreme Staunässe aufweist. Übrigens nicht nur für Landwirte sind Bodenproben von Vorteil, auch für Gartenbau- und Forstbetriebe, den Gemüsegarten oder dem Englischen Rasen kann es hilfreich sein zu wissen, welche Versorgungsstufen und pH-Werte sich unter der Oberfläche verbergen.

Das Ziehen von Bodenproben zur Erfassung der Grundnährstoffversorgung ist keine Pflicht. Laut Düngeverordnung (zuletzt geändert 25. September 2017) ist es für einen Landwirt lediglich vorgeschrieben, jeden zu bewirtschaftenden Ackerschlag ab einem Hektar, auf den Phosphatgehalt untersuchen zu lassen. Die Landwirtschaftskammer und andere beratende Unternehmen empfehlen für eine gezielte Düngung den Boden mit wechselnder Fruchtfolge alle drei bis vier Jahre auf die Grundnährstoffe Phosphor (P), Kalium (K) und Magnesium (Mg) zu beproben.

Bei einer solchen Grundbodenuntersuchung ist es zudem sinnvoll, den pH-Wert und den Humusgehalt zu ermitteln, sowie es ebenfalls hilfreich sein kann Mikronährstoffe und Natriumgehalt zu bestimmen. Die gesamte Analyse des Bodens hilft dabei Düngemittel und Kalk gezielter einzusetzen, dass wiederum schont nicht nur den Geldbeutel und versorgt die Pflanzen optimal, sondern schützt auch die Umwelt. Bei sehr intensiv angebauten Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Raps ist der Marktpreis im Vergleich zu den Kosten einer Grunddüngung oft sehr gering.

Der maßgebende Wachstumsfaktor der Nutzpflanzen ist Stickstoff (N). Bevor im Frühjahr die Vegetation beginnt und die erste N-Dünung ansteht, muss der Landwirt ermittelt haben, wie viel Stickstoff zu dieser Zeit nutzbar im Boden vorliegt. Diese Form von pflanzenverfügbarem Stickstoff setzt sich aus Nitrat (NO3) und Ammonium (NH4) und heißt Nmin. Das min bedeutet mineralisiert, die genannten Stickstoffformen sind durch chemische Reaktionen aufgespalten worden und somit für die Nutzpflanzen sofort verwendbar.

Außer auf Dauergrünland (Flächen auf denen länger als 5 Jahre Gras oder Grünfutter angebaut wurde, dabei der Standort nicht gewechselt wurde und die von der Fruchtfolge ausgenommen sind) ist es in der Düngeverordnung vorgeschrieben den Nmin-Gehalt jeder landwirtschaftlichen Bewirtschaftungseinheit jährlich zu ermitteln. Entweder geschieht dies durch eine spezielle Nmin-Bodenprobe oder der Landwirt übernimmt die vorgebenden Richtwerte der Landwirtschaftskammer, diese werden regelmäßig aktualisiert.

Der Nmin-Gehalt im Boden wird in der Düngeplanung vermerkt. Solche Maßnahmen sind unbedingt notwendig, da ein Übermaß an Stickstoff der Umwelt nicht zu Gute kommt. Eine Überdüngung einer Kultur mit Stickstoff kann sogar zu einer Vergiftung der Nutzpflanze führen und ist wirtschaftlich gesehen nicht förderlich. Nach dem Maximal Prinzip lohnt sich ein höherer Düngeaufwand nicht mehr, weil der Ertrag verhältnismäßig gering zunimmt und der Gewinn nicht gesteigert wird.

Der hauptsächliche Unterschied zwischen einer Bodenuntersuchung der Grundnährstoffe und einer Analyse des vorhandenen Nmin -Gehaltes besteht in der Häufigkeit einer Entnahme.

Nmin: jährlich oder durch Übernahme der Richtwerte der Landwirtschaftskammer

Grundnährstoffe: Nicht verpflichtet, empfohlen alle 3-4 Jahre, Ausnahme Phosphor (alle 6 Jahre)

Die Bodenproben werden entweder manuell mit einem Pürckhauer-Bohrstock und einem Hammer entnommen oder mittels eines Fahrzeuges, (Quad o.ä.) an dem ein automatischer Bohrstock die Arbeit erledigt. Die Erde wird in luftdichte Plastiktüten gefüllt und ein Untersuchungsinstitut verschickt (Hannover: LuFA Nordwest).

Wichtig, gerade bei Nmin, zeitnah verschicken oder zur Sammelstelle bringen und sich an die vorgeschriebenen Lagertemperaturen halten. Die Entnahmetiefe liegt bei der Grundnährstoffuntersuchung bei Ackerland ca. bei 30 cm (Krumentiefe) und auf dem Grünland bei ca. 10 cm, was der Narbentiefe entspricht. Nmin-Proben werden aus unterschiedlichen Schichten gezogen und ausgewertet. Das bedeutet es gibt eine Probe für 0-30cm, 30-60cm und 60-90 cm, aus dieser bestimmt man einen Gesamtgehalt.

Der Grund dafür ist Mobilität des Stickstoffs gegenüber den anderen Nährstoffen. Die Grundnährstoffe sind träge, sie halten sich in der oberen Bodenschicht auf, der Bearbeitungstiefe. Pflanzenverfügbarer Stickstoff hingegen ist sehr beweglich, regnet es viel spült er in tiefere Schichten, erwärmt sich der Boden transportiert die Kapillarwirkung ihn zurück in die höheren Lagen.

Neben den Nährstoffen empfiehlt es sich den Humusgehalt des Bodens zu ermitteln. Das erfolgt über die normale Beprobung der Grundnährstoffe. Der Humusgehalt gibt Aufschluss über eine angenommene Stickstoffnachlieferung. Humus sind nichts anderes als abgestorbene Pflanzenreste der Vorkultur oder der Zwischenfrucht bei deren Abbau Stickstoff freigesetzt wird.

Da es sich um pflanzenverfügbaren Stickstoff handelt, ist er in der Düngeplanung zu berücksichtigen. Je nach Standort, Vorfrucht und Nutzung variiert der Humusanteil. Zur Orientierung erstellt z.B. die LuFA Nordwest oder die Landwirtschaftskammer, Richtwerte, nach denen man handeln kann. Den höchsten Humusgehalt (über 30%) findet man z.B. auf moorigen Grünlandflächen, hier werden bis zu 80kg N freigesetzt.

Wie oben ebenfalls erwähnt, spielt außerdem der pH-Wert des Bodens eine tragende Rolle in der Entwicklung von Nutz- und Zierpflanzen. Jede Kultur benötigt in Zusammenhang mit der Bodenart (Sand, Lehm, Ton, Schluff) einen bestimmten pH-Wert, um optimal wachsen zu können. Eine ausgewogene und regelmäßige Kalkung, egal ob auf dem Acker, Grünland oder im heimischen Gemüsegarten ist daher unumgänglich und trägt maßgeblich zum gewünschten Erfolg bei. Genau wie der Humusgehalt, wird der pH-Wert bei der Grundbodenuntersuchung festgestellt.

Weitere Stellschrauben einer umfassenden Bodenversorgung sind Mikronährstoffe wie Schwefel, Natrium, Mangan, Selen, Eisen und Kupfer (ebenfalls Grundbodenuntersuchung). Ein Beispiel: Stickstoff benötigt Schwefel, um effektiv in der Pflanze genutzt zu werden, da Schwefel an vielen Stoffwechselvorgängen, besonders der Eiweißsynthese beteiligt ist. Das Stickstoff zu Schwefel Verhältnis beträgt ungefähr 10:1, bedeutet, fehlt es an 1kg Schwefel, können 10kg Stickstoff nicht richtig verwertet werden. In vielen Düngemitteln ist Schwefel vorhanden, mit dem Wissen über dem Bedarf des Bodens und der angebauten Kultur, besteht die Möglichkeit eine gezielte Auswahl des Düngers zu treffen. So können Mangelerscheinungen vermieden werden.

Die optimale Versorgung jeglicher Pflanzen durch eine korrekt angepasste Düngung beinhaltet viele Faktoren. Mit der Entnahme von Bodenproben bekommen Landwirte, Gärtner, Forstwirte und Privatpersonen ein unersetzbares Hilfsmittel zur Hand. In Kombination mit der aktuellen Düngeverordnung und den Richtwerten der Landwirtschaftskammer, kann man so Ressourcen schonen, Geld sparen, die Umwelt schützen und den bestmöglichen Ertrag erzielen.

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