Orientierungshilfe-Burn-Out

Burn-Out - Landwirte gefährdet?

Burn-Out gefährdete Personen

Jeder Mensch kann unter den entsprechenden Bedingungen in eine Burnout-Situation geraten. Dennoch lassen sich Persönlichkeitsmerkmale beschreiben, die für eine Burnout-Dynamik im besonderen Maß anfällig sind:

• Ehrgeizige und anspruchsvolle Menschen mit der Tendenz zum Perfektionismus und dem Verlangen, möglichst viel unter Kontrolle zu behalten.

• Sehr fleißige und engagierte Menschen mit dem Gefühl unentbehrlich zu sein und der Überzeugung, am besten wird es, wenn man es selbst erledigt.

• Cholerische dominante oder sprunghafte unfokussierte Typen sind mehr gefährdet als grundruhige, besonnene oder phlegmatische Menschen.

• Melancholische Temperamente mit pessimistischer Grundhaltung, mit wiederholt enttäuschten Erwartungen bzw. einer Vielzahl von Sorgen und Befürchtungen, sowie der Neigung sich als Opfer der Umstände zu empfinden.

• Menschen mit gesteigertem Eigensinn und Geltungssucht bei gleichzeitig wenig ausgeprägtem Selbstwertgefühl bzw. in ihrer Person begründeter Selbstsicherheit.

• Gering ausgebildetes Selbstbewusstsein im Sinne von Selbstwahrnehmung (eigene Bedürfnisse oder Abneigungen, körperliche Überlastungs- oder Mangelsymptome), Selbstfürsorge (gut für sich zu sorgen) oder Selbst-Wertschätzung.

• Mangelndes Vermögen Grenzen zu ziehen, „Nein“ oder „Stop“ zu sagen, Arbeiten zu delegieren oder sein zu lassen.

• Geringe Neigung klare Positionen zu beziehen und dafür Konflikte zu riskieren. Anhaltende Energieverluste durch ungeklärte Konflikte, vor sich hergeschobene Aufgaben, gedeckelte Emotionen, verdrängte unangenehme Wahrheiten oder das Decken von Lügen mit neuen Lügen.

• Hohe Bereitschaft zur Eigenschuldzuweisung, und sich selbst als unwirksam zu erleben. Das anhaltende Gefühl, „nicht mehr hinterher zu kommen“.

• Geringe Vernetzung, wenig Freundschaften, kaum Austausch über persönliche Befindlichkeit und mangelnde Erfahrung oder Bereitschaft sich Hilfe und Unterstützung zu holen.

Burn-Out förderliche Umstände oder Rahmenbedingungen

Es lassen sich äußere Bedingungen benennen, die ihrerseits Burn-Out-förderlich sind:

• Überhöhte Leistungsansprüche in Familien, z.B. an Arbeitszeiteinsatz oder der Bereitschaft, persönliche oder familiäre Bedürfnisse stets dem Betrieb unterzuordnen.

• Schwäche oder Krankheit bedeutet Disqualifikation. Nur wer viel leistet hat eine Existenzberechtigung.

• Wertekonflikte zwischen den Generationen mit der Tendenz, dass die Werte der älteren Generation Dominanz haben oder unantastbar sind. Das ist gefährdend für die jüngere Generation auf Grund von persönlichen inneren Konflikten oder Konflikten zwischen den Ehepartnern.

• Kaum oder keine Trennung zwischen Beruf, Privatleben und Freizeit. In der Freizeit (sofern vorhanden) das Gleiche machen bzw. die gleichen Themen behandeln wie im Beruf.

• Permanente Überschreitung von Belastungsgrenzen. Keine Wochenenden, kein oder zu kurzer Urlaub, zu wenig Gelegenheiten sich wirklich zu erholen.

• Das Gefühl nicht genug Kontrolle bzw. Gestaltungsspielraum über die eigene Arbeit zu haben, sich Dingen ausgeliefert zu fühlen, auf die man keinen Einfluss hat (z.B. politischen Vorgaben, bürokratische Erfordernisse…).

• Kaum oder keine Wahlmöglichkeit in betrieblicher Entwicklung, sondern erlebter Zwang zum Mitmachen in der Wachstums- oder Beschleunigungsspirale.

• Akute Geldsorgen bzw. hoher anhaltender finanzieller Druck. Stets präsentes betriebliches Risiko ist gleichbedeutend mit persönlichem und familiärem Risiko.

• Neue Kommunikationstechnologien: man ist ständig und überall erreichbar, das Gefühl erreichbar sein zu müssen oder bei Nichterreichbarkeit etwas Folgenschweres zu verpassen.

• Das Arbeitstempo beschleunigt sich, der Anteil Management oder Kommunikationsarbeiten nimmt immer mehr zu, die „eigentliche“ Arbeit (Melken, Füttern, Ackern, usw.) gerät immer stärker in den Hintergrund. Es entstehen Anforderungen in Bereichen, die man eigentlich nicht gelernt hat (z.B. Mitarbeiterführung).

• Kaum oder keine Anerkennung für erbrachte Leistung, mangelnde Wertschätzung, sowohl innerfamiliär, mit Mitarbeitern oder Berufskollegen, als auch durch die Gesellschaft. Keine Belohnung für erbrachte Leistung.

• „Unmögliche Aufträge“: Erwartungshaltungen von außen, die in sich widersprüchlich oder unerfüllbar sind, z.B. der Senior, der dem Hofübernehmer sagt: „Übernimm du jetzt alle Verantwortung, aber ich behalte die Kontrolle“, oder die Gesellschaft, die billiges Fleisch verlangt, aber diejenigen, die das liefern, dafür verachten, dass sie es produzieren.

Leider wird hier sehr deutlich, dass die derzeitige landwirtschaftliche Realität ein sehr großes Burnout Potential besitzt. Zugespitzt könnte man sagen: der (oder die) engagierte, leistungsbereite BetriebsleiterIn von Wachstumsbetrieben mit hohen Ansprüchen an die Qualität der Ergebnisse, die in einer Situation stehen mit einer wachsenden Anzahl Mitarbeitern im Familienkontext aktuelle große betriebliche Herausforderungen anzugehen, sind im hohen Maß Burnout gefährdet.

Hier sind Burn-Out förderliche Bedingungen aufgelistet, es besteht aber keine Schlussfolgerung, dass sich aus diesen Situationen zwingend Burn-Out entwickelt. Das liegt immer noch an Jedem einzelnen, ob er die Klippen seiner Situation erkennt und ob er die persönlichen Warnsignale ernst nimmt oder darüber hinweg geht nach dem Motto „wird schon irgendwie“.

Orientierungshilfe: Burn-Out Selbsttest für Angehörige und Betroffene!

Burn-Out ist eine sich selbst verstärkende Dynamik und einen Teufelskreis kann man nicht aussitzen.

Um so mehr ist es von herausragender Bedeutung, sich selbst als BetriebsleiterIn in den Mittelpunkt der eigenen Aufmerksamkeit zu stellen und dafür zu sorgen, dass man gesund, glücklich und ausgeruht (und somit leistungsfähig) ist, um kraftvoll und kreativ seinen Verantwortungen nachgehen zu können.

Autor: Peter Jantsch. www.veraenderung.jetzt

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