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Burnout in der Landwirtschaft - der Verlauf!

Wichtigste Phasen Burnout

Ausgangspunkt ist oft eine wichtige und große Herausforderung, die gut und für richtig gehalten wird. Man glaubt ihr gewachsen zu sein. Am Anfang steht immer hohes bis höchstes Engagement und eine ungewöhnlich große Leistungsbereitschaft bei gleichzeitiger hoher Erwartung an sich selbst und an das Ergebnis des Tuns.

Hinzu kommen oft Burnout förderliche äußere Bedingungen, auf die man selber kaum oder keinen Einfluss hat.

Eine Burnout-Dynamik entwickelt sich typischerweise in Phasen. Selbstverständlich kann sich dies bei den Menschen verschieden darstellen. Symptome können individuell unterschiedlich früher oder später sichtbar werden oder auch nicht vorkommen. Grundsätzlich werden sich körperliche Symptome dort als erstes oder am deutlichsten zeigen, wo der jeweilige Mensch seine schwächsten Stellen hat, möglicherweise beim Schlaf, in den Atemwegen, im Magen, auf der Haut, usw.

1. Engagement

Zwang sich zu beweisen, übersteigerter Ehrgeiz und Perfektionismus, Gefühl, alles selbst und insbesondere dringlich machen zu müssen. Gefühl der Unentbehrlichkeit. Etwas zu delegieren fällt schwer. Kontrollzwang. Identifizierung mit Betrieb. Oft positives Gefühl, wichtig, wirkungsvoll, engagiert zu sein, “viel zu reißen“. Hyperaktivität. Viele Überstunden, kaum Freizeit. Verdrängung von Misserfolgen.

Diese Phase wird oft als hoch wirkungsvoll und aktiv empfunden, was ja im Grunde auch stimmt. Es wird viel beschickt und geschafft. In ungünstiges Fahrwasser kommt man durch fehlende Rückkopplung zu sich selbst (siehe Phase 2) und dass nur einseitige auf Schaffen und Leistung ausgerichtete Bedürfnisse bedient werden. Andere Bedürfnisse, wie nach Ruhe, zweckfreier Muße oder körperlichem Wohlgefühl werden nicht wahrgenommen oder schlicht nicht bedient, weil „wichtigeres“ oder drängenderes zu tun ist.

Die eigene Stimmung kann kippen durch fehlende Wertschätzung oder Anerkennung für die erbrachte Leistung, sei es durch Familienangehörige (zum Beispiel im Zusammenhang mit Hofübergabe oder Generationenkonflikt), oder durch allgemeine oder gezielte gesellschaftliche Kritik am Berufsstand.

2. Erste Warnungen

Erste körperliche Symptome werden nicht wahrgenommen: Schwitzen, Harndrang, Bauchgrummeln, beginnende Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufbeschwerden. Aufkommen von Anspannung, Unsicherheit, Nervosität, Zweifel, Entscheidungsschwäche, Angst. Fieberhaftes Suchen nach Lösungen; Konflikte werden verdrängt. Vernachlässigung eigener Bedürfnisse. Es mehren sich Fehlleistungen wie vergessene Termine, Unpünktlichkeit, sonstige Fehler. Der Lebensstil wird zunehmend ungesünder.

Diese Phase ist die geeignetste, um gegen eine drohende Burnout-Dynamik etwas zu unternehmen. Die „körperlichen Warnleuchten“ zeigen Störungen an, erste leichte Defekte werden sichtbar. Oft wird selber noch empfunden, dass die Entwicklung nicht in die richtige Richtung geht. Dann aber tritt aber ein für die Burnout-Dynamik typisches Verhalten ein: Man glaubt, durch Erhöhung des persönlichen Inputs das Defizit auszugleichen. Man glaubt, dass man mit „einem Sprint“ das Ziel noch erreichen werde. So reiht sich dann aber Sprint an Sprint. Ein Engagement, das nicht zu einem positiven Ergebnis führt, kann nicht erfolgreich werden nur dadurch, dass man „mehr“ davon macht!

3. Durchhalten

Die Wahrnehmung verändert sich, es gibt nur mehr die Gegenwart. Gefühl, es gebe keine Lösung, und ein Verlassen der Situation ist nicht möglich. Hoher Energieaufwand um den Status Quo zu erhalten. Kein Einsehen, dass es so nicht weitergehen kann. Durchhalteparolen, „Muss ja“. „Tunnelblick“. Starke Symptome, Herzrasen, Tinnitus, Hörsturz. Probleme mit Blutdruck, anhaltende Schmerzen, auch diffus oder wandernd. Kompensation durch Suchtmittel (Kaffee, Alkohol, Aufputschmittel, Drogen). Es treten vermehrt Unfälle auf.

In der Phase nimmt die körperliche und emotionale Erschöpfung immer mehr Raum ein. Es beginnt ein Rückzug nach innen. Da „alle Versuche im Äußeren noch etwas zu bewirken“ nicht gefruchtet haben, sucht man die Gründe für das Misslingen in der eigenen Person. Pflichtgefühl oder Notwendigkeit, den Betrieb aufrecht zu erhalten geraten in zunehmend stärkeren Gegensatz zu persönlicher Geringschätzung oder Verachtung. In dieser Phase werden die Betroffenen oft zunehmend als verhärtet, verbittert und zynisch wahrgenommen.

Oft ist dieser Zustand die letzte Ausfahrt, wo der Betroffene aus eigener Kraft und ohne ärztliche Hilfe das Ruder noch selber herumreißen kann.

4. Distanzierung

Verleugnung der Probleme, Kritik wird nicht mehr ertragen. PartnerIn, Familie und Freunde werden oft als Belastung oder sogar als feindlich erlebt. Betroffene beginnen sie sich abzukapseln und begegnen ihrer Umwelt zunehmend zynisch, verbittert und mit Härte, Ungeduld, latenter Aggressivität. Sexuelles Desinteresse. Die Leistungseinbußen sind deutlich merkbar, ebenso körperliche Beschwerden. Oft starke Schlafstörungen. Häufig starkes Auseinanderklaffen von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung.

Letztes Aufbäumen im Versuch, noch irgendwie zu funktionieren, die notwendigsten Funktionen aufrecht zu erhalten. Oft müssen sich Familienangehörige spätestens in dieser Phase von dem Betroffenen distanzieren, um sich selber zu schützen. Dies wird von den Betroffenen dann als „fallen lassen“ oder offene Anfeindung empfunden, was sie noch tiefer in die innere Dunkelheit treibt.

5. Erschöpfung

Beginn des eigentlichen Burnouts. Gefühl der Wirkungslosigkeit, tiefgehende Ohnmacht, Opfergefühle, Machtlosigkeit, Apathie. Belastung wird als hoch, andauernd und nicht änderbar empfunden. Unfähigkeit, sich in Freizeit zu erholen. Symptome werden chronisch. Migräne, starke Infektanfälligkeit, massive Schlafprobleme, Panikattacken. Gefühl der Leere, Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Selbstwahrnehmung als „Maschine, die funktionieren muss“.

Die Zielgerade zum Zusammenbruch. Leere Akkus können nicht mehr aufgeladen werden, selbst wenn Gelegenheit wäre. Letzte Versuche der Umwelt, den Betroffenen zum Einsehen zu bewegen wird von diesem als persönlicher Angriff oder Beleidigung empfunden. Betroffene sind oft nicht mehr erreichbar. Der Notausgang hier über einen Arzt und anschließend Therapie oder Klinikaufenthalt wäre immer noch besser, als wenn der Betroffene erst noch einen Zusammenbruch erleiden muss.

6. Zusammenbruch

Betroffene sind völlig mutlos, leer, ängstlich bis panisch. Depression: tiefe Verzweiflung, Selbsthass, Erschöpfung, Wunsch nicht mehr aufwachen zu müssen. Völlige Erschöpfung. Totale Kraftlosigkeit bis hin zur Unfähigkeit sich zu bewegen. Körperlicher, psychischer oder emotionaler Zusammenbruch. Gefahr von Suizid.

Ein Zusammenbruch kann einhergehen mit bleibenden Schäden, z.B. Tinnitus, Angststörung. Burnout-Patienten sind an dieser Stelle als Notfall ins Krankenhaus einzuweisen. Es kann Lebensgefahr bestehen durch Suizid-Gedanken. Leider benötigen manche Menschen massive Signale, um zu einer Veränderung ihrer Einstellung oder ihrer Lebensführung zu kommen. An dieser Stelle des Burnout MUSS sich der Betroffene mit sich beschäftigen, in früheren Phasen KANN er das aus eigenem Entschluss tun.

Prophylaxe wäre Heilung ohne einen Zusammenbruch mit den möglicherweise damit verbundenen körperlichen Schäden zu erleiden. Je früher ein Betroffener selbstständig und aus eigenen Antrieb aus einer Burnout-Dynamik auszusteigen beschließt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er zu positiver Entwicklung kommt, ohne durch einen Zusammenbruch gehen zu müssen.

Quellen: 12 Phasen der Burnout-Erkrankung nach H. Freudenberger, 7 Stufen-Modell nach M. Burisch, 4 Phasen Modell nach M. Prieß.

 

Autor: Peter Jantsch  www.veraenderung.jetzt

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