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Burnout in der Landwirtschaft - (k)ein Thema!

Burnout in der Landwirtschaft. Ehrlich sein zu sich selbst hilft!

Die psychische und körperliche Erschöpfung durch Dauerstress nimmt auch in der Landwirtschaft zu.
Nach den neuesten Zahlen der landwirtschaftlichen Sozialversicherung SVLFG ist der Anteil der Versicherten, die auf Grund psychischer Erkrankungen Erwerbsminderungsrente beziehen von 17% (2013) auf 21% (2017) angestiegen.
Der landwirtschaftliche Alltag fordert oft die ganze Energie von Betriebsleiter oder -leiterin. Wenn das Ergebnis stimmt, der Betrieb vorankommt und der Einzelne oder die Partnerschaft nicht darunter leidet ist das ok. Wenn aber insgesamt mehr investiert wird als dabei herauskommt und die Reserven immer kleiner werden, kann das nicht lange gut gehen. Oft werden hierfür die Gründe bei sich selbst gesucht und geglaubt, durch Erhöhung des persönlichen Engagements könne man diese Lücke schließen. Doch damit verfestigt sich der Dauerstress und oft ist das der Einstieg in eine Burnout-Dynamik. Wer in diesen Sog gerät muss etwas unternehmen, denn einen Teufelskreis kann man nicht aussitzen. Wer rechtzeitig gegensteuert, kann schlimmeres verhindern und sogar aus dieser Krise gestärkt herausgehen.

Was ist Burnout?

Burnout ist keine Krankheit wie Lungenentzündung oder Grippe, sondern ein Zustand totaler körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung.
Auf eine Dauerstress-Situation wird mit einem Verhalten reagiert, das zu körperlichen und seelischen Krankheitssymptomen führt. Stress an sich ist nichts schlechtes, wenn es um punktuelle Höchstleistung geht und die mit dem Stress zusammenhängende Situation geklärt und die körperliche Stressreaktion wieder abgebaut wird. Dauerstress bedeutet aber, dass die körperliche und geistige Ausnahmesituation über längeren Zeitraum anhält und es zu keiner Entspannung kommt. Dieser anhaltende körperliche Erregungszustand ist sehr kraftzehrend und hat gesundheitliche Auswirkungen.
Ein Burnout kann mit zum Teil ernsten oder sogar lebensbedrohlichen Krankheitszuständen einhergehen (z.B. Tinnitus, Herz– oder Kreislaufprobleme). Im fortgeschrittenen Stadium führt es oft in eine Erschöpfungsdepression und kann sogar zum Suizid führen.
Burnout ist aber kein individuelles Versagen oder „Scheitern“. Burnout entsteht oft durch das Verfolgen einer falschen Strategie unter objektiv schwierigen Rahmenbedingungen mit Belastung und Dauerstress umzugehen.
Insofern ist der Schlüssel aus einem Burnout herauszukommen das Ändern der persönlichen Strategie im Umgang mit Stress und herausfordernden Situationen. Das geht umso leichter, je früher damit begonnen wird. Ein klinischer Burnout mit Zusammenbruch muss ärztlich und therapeutisch behandelt werden.

Was fördert Burnout?

Die aktuelle Situation in der Landwirtschaft bietet ausgesprochen Burnout förderliche Umstände:
Hoher Arbeitsdruck, permanente Erreichbarkeit, unklare Trennung zwischen Beruf und Freizeit, kaum Freizeit oder Zeit für Erholung; Geldsorgen; anhaltende und ungelöste Konflikte in der Partnerschaft oder Familie. Hohe Leistung bei geringem Erfolg und fehlender Anerkennung. Das Gefühl, Vorgaben, die von außen kommen, ausgeliefert zu sein.
Burnout ist nicht ein Thema für „Schwache“. Klassischerweise sind es die Engagierten und Gewissenhaften, die besonders gefährdet sind. Es sind Idealisten mit Hang zum Perfektionismus, die bei Ihrem Einsatz ein großes Projekt zu stemmen oder ihren hohen Ansprüchen gerecht zu werden den Kontakt zu sich selber verlieren. Das Gefühl geringer Wirksamkeit führt oft zu einer pessimistischen Grundhaltung.

Woran kann man Burnout erkennen?

Neben starker und umfassender Erschöpfung besteht auf der emotionalen Ebene auch das Gefühl der Sinnlosigkeit und Zweifel an sich selbst.
Körperlich gibt es eine Vielzahl von Symptomen, wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufbeschwerden, Tinnitus, Angstzustände, Einschlafstörungen und Schlaflosigkeit oder stressbedingte Abwehrschwäche mit Krankheitsanfälligkeit. Darüber hinaus fällt eine zunehmende Vergesslichkeit und Konzentrationsstörung auf.
Weiter wichtige Warnzeichen sind die Unfähigkeit, sich in der Freizeit zu erholen sowie der innere Rückzug von Freunden oder Familienmitgliedern.
Bei Unklarheit hilft ein Burnout-Selbsttest, besteht der Verdacht bei Familienangehörigen gibt es dafür einen Angehörigen-Test.

Wie verläuft ein Burnout?

Ein Burnout hat oft einen typischen Verlauf. Die wichtigsten Phasen sind:
1. Hohes Engagement bei kaum Freizeit oder Erholungsphasen.
2. Erste Warnungen werden nicht wahrgenommen oder verdrängt
3. Durchhalteparolen und „Tunnelblick“ auf die Gegenwart. Man funktioniert nur noch.
4. Distanzierung von Problemen und von nahestehenden Menschen. Verbitterung.
5. Erschöpfung, Unfähigkeit sich zu erholen. Massive Symptome, Gefühl der Leere.
6. Körperlicher, psychischer oder emotionaler Zusammenbruch.

Den Teufelskreis unterbrechen

Wer in eine Burnout-Dynamik geraten ist, muss aktiv etwas dagegen unternehmen. Man muss aus eigener Kraft den Teufelskreis aufbrechen. Wenn man nicht die Notbremse zieht, dann wird das irgendwann zum Zusammenbruch führen, eine derartige Dauerbelastung lässt sich nicht unbegrenzt durchtragen. Dann wird ärztliche und therapeutische Hilfe unumgänglich.
Der Entschluss, sich gegen den Sog zu stellen ist dabei schon der Anfang der Heilung. Je früher desto besser. Prophylaxe ist Veränderung ohne Zusammenbruch. Und Veränderung muss sein, es ist absolute Notwendigkeit – und eine Riesenchance.

Ein Teil einer neuen Strategie ist es, seine innere Haltung zu ändern.
Pro aktives Handeln: Entscheidend ist, das Ruder selber in der Hand zu haben. Opferhaltung beenden. Es gibt äußere Zwänge, die sich nicht ändern lassen, wohl aber die eigene Reaktion darauf.
Ändern, was im Einflussbereich liegt. Das ist alles das, was unter eigener Kontrolle ist und verändert werden kann, ohne von Dritten abhängig zu sein. Das Wetter lässt sich nicht ändern, wohl aber wie man darauf reagiert. Auf alles, was außerhalb des eigenen Einflussbereiches liegt, keine unnötige Energien verschwenden.
Klare Entscheidungen fällen: 1. Ändern, was zu ändern geht, oder 2. die Situation beenden mit allen Konsequenzen, wenn es nicht tragbar ist, oder 3. die Situation annehmen und den Preis bezahlen.
Unentschieden zu sein oder äußerlich „ja“ zu sagen und innerlich „nein“ kostet große Mengen Energie und erzeugt Stress.
Ganz wichtig ist, Energielecks zu identifizieren und diese weitestgehend zu schliessen.
Sich selber auf der Prioritätenliste an erste Stelle setzen. Eine Ursache, in die Burnout-Dynamik zu geraten, ist die fehlende Beziehung zu sich selber. Die ist aber unabdingbar notwendig. Selbst-Wahrnehmung, Selbst-Bewusstsein, Selbst-Fürsorge, Selbst-Wert.

Konkrete Werkzeuge, um eine veränderte Strategie umzusetzen:
Neben Maßnahmen des Zeitmanagements geht es um eine verbesserte Strukturierung der Arbeitsorganisation, Klärung von Rollen und Zuständigkeiten sowie das Delegieren und Abgeben von Arbeiten. Weiter geht es um Methoden der Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit, des Stressabbaus, des körperlichen Ausgleichs und der seelischen Gesundung. Eine gute und offene Kommunikation, Wertschätzung und ein konstruktiver Umgang mit Konflikten gehören auch dazu.
Interessanterweise sind die Schrauben, an denen gedreht werden muss, um aus einem Burnout zu einer besseren Strategie zu kommen, sehr ähnlich zu denen, die für eine gute Betriebsführung zuständig sind.

Erste Hilfe, Rat und Unterstützung

Bei Verdacht auf eine Burnout-Dynamik sollte das Thema behutsam aber entschieden angegangen werden und Rat und Unterstützung eingeholt werden:Im akuten Fall: Hausarzt, Notfallaufnahme des Krankenhauses.

Bei Unsicherheit oder Unklarheit: Gespräch bei landwirtschaftlichen Sorgentelefonen. Rat beim Hausarzt. Fragebögen zur Einschätzung. Mit anderen Menschen reden. Unterstützung und Beratung bieten auch Maschinenringe, Präventionsangebote der landwirtschaftlichen Sozialversicherung (SVLFG), Landwirtschaftskammern oder Berufsverbände sowie privatwirtschaftliche Anbieter.

Beratungs- und Coaching-Angebote wahrnehmen. Therapie. Klinikaufenthalt.

Das Umfeld kann helfen, einen Betroffenen dazu zu bringen, sich mit der Realität seines Burnouts auseinanderzusetzen. Den Betroffenen nicht „retten“, sondern ihn respektvoll mit seinem Verhalten konfrontieren.

Burnout ist keine Krankheit oder Versagen, es ist ein Weckruf, sich einer Situation zu stellen, die dabei ist, in die falsche Richtung zu laufen. Eine Burnout-Krise trägt das Potential in sich, persönliche Wachstums- und Entwicklungsschritte aktiv und selbstbestimmt anzugehen, die durch Älter werden oder sich ändernde Umstände in Landwirtschaft oder familiären Zusammenhängen natürlicherweise eh anstehen.

Die Entwicklung einer neuen persönlichen Strategie geht somit weit über die Abwehr einer akuten Gefahr hinaus. Das Ergebnis ist eine Stärkung der Betriebsleiter-Persönlichkeit, was sich positiv auf Betrieb, Partnerschaft und Familie auswirkt und zur Erhöhung von eigenem Wohlbefinden, Gesundheit und Selbstwirksamkeit führt.

Auto: Peter Jantsch  www.veraenderung.jetzt

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