Zwei Landwirte untersuchen eine Silageprobe

Wichtig zu wissen Inhaltsstoffe im Grundfutter

Passt der Rohfaseranteil in der Grassilage? Ist genug Energie in der Maissilage? Für Paul Rabe sind die Werte aus den Futtermittelanalysen seines Grundfutters ein wichtiger Indikator für die Versorgung seiner Milchkühe.

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Vier Futtermittelproben pro Jahr zieht Paul Rabe aus rund 8.000 t Silage, die er gemeinsam mit Familie Walter Otte in der KC (Kuh Club) Schwarzbunt GbR insgesamt produziert und auch benötigt. Gras und Mais bilden die Grundlage. Rund 370 Milchkühe plus Nachzucht wollen im niedersächsischen Sülze im Landkreis Celle bedarfsgerecht versorgt sein. Da müssen die Inhaltsstoffe passen und bei Bedarf ergänzt werden. „Die Investition von etwa 50 Euro/Probe und der Arbeitsaufwand sind es wert, dass ich diese Werte kenne. So kann ich die Rationen genau nach dem Bedarf der Tiere mit den noch notwendigen Inhaltstoffen ergänzen“, so die Einstellung des staatlich geprüften Betriebswirts der Landwirtschaft. Die selber genommenen Proben werden über die AG FUKO (Arbeitsgemeinschaft Futtersaaten, Futterbau und Futterkonservierung) e.V.  abgewickelt. Hier ist der Betrieb Mitglied. Die Arbeitsgemeinschaft arbeitet mit der LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) in Oldenburg zusammen.

Idealzustand nicht immer zu erreichen

Etwa 22 bis 23 Prozent Rohfaser sollten im Grundfutter enthalten sein. Der Rohproteingehalt sollte nicht mehr als 17 Prozent betragen, der Energiegehalt bei einer Grassilage über sechs  Megajoule (MJ) Nettoenergielaktation (NEL) liegen. Eine Maissilage kann 6,8 MJ NEL haben. Der Anteil an Trockenmasse hat idealerweise einen Wert von 30 bis 33 Prozent. „Das sind die angestrebten Werte“, erklärt der 39jährige. Aber nicht immer ist der Idealzustand zu erreichen. Je nach Witterung und Aufwuchsbedingungen können die Werte des Grundfutters variieren. Dann muss ausgeglichen werden.

Zuviel Buttersäure ?

Auch der Anteil der Rohasche wird  festgestellt. Und der ph-Wert gibt Auskunft über die Stabilität des Futters. Je niedriger der ph-Wert, desto stabiler ist die Silage. Ist aber beispielsweise zu viel Buttersäure enthalten, ist aller Wahrscheinlichkeit nach zu viel Schmutz in das Silo geraten oder der Luftabschluss hat nicht gut funktioniert.  

Geduld haben !

Die Anzahl der Proben hängt von der Beschaffenheit der Silohaufen ab. Zeigen sie eine homogene Struktur, reichen die vier Proben aus. Zeigt die Silage im Laufe der Entnahme eine abweichende Beschaffenheit, muss auch einmal zwischendurch beprobt werden. In der Regel lässt Paul Rabe seine frischen Silohaufen etwa sechs bis acht Wochen liegen, bevor der sie für die Fütterung der Tiere öffnet. Dann kommt sein selbstfahrender Futtermischwagen zum Einsatz, um die Proben zu entnehmen. Manchmal übernimmt die Entnahme und Beprobung des Futters auch sein Mineralfutterberater mit Hilfe eines Bohrstockes.

Tiere beobachten

Indikator für ein einwandfreies Futter ist auch der allgemeine Zustand der Tiere. Ist der Kot zu dünn? Fressen die Tiere richtig? Das Beobachten der Tiere beim Bestandsrundgang ist trotz aller Technik ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Haltung der Herde. Und einmal pro Monat kommen wieder Zahlen auf den Tisch: die Auswertung der Milchkontrolle. Auch sie geben wertvolle Aufschlüsse, die über das Futter möglicherweise ausgeglichen werden können. Hier spielen beispielsweise der Fettgehalt und die Höhe des Eiweißgehaltes in der Milch eine Rolle. Ist der Fettgehalt zu niedrig, war zu wenig Struktur im Futter. Ist der Harnstoffgehalt höher als gewünscht, muss an der Futterschraube gedreht werden, um den Eiweißanteil zu senken. Sonst muss die Leber der Kuh den überschüssigen Harnstoff ausscheiden. Das stresst. Mit den Ergebnissen von der LUFA und dem Futtermittelberater wird an den bestmöglichen Rationen getüftelt.

GMO freies Futter

Beim Ausgleich des Grundfutters mit den notwendigen Inhaltsstoffen geht Paul Rabe seinen eigenen Weg: als das Deutsche Milchkontor (DMK)- der Abnehmer seiner Milch -  vor einigen Jahren nach Betrieben suchte, die ihre Kühe ohne GMO (Gen modifizierte Organismen) – Futter versorgt, war er dabei. „Wir haben sowieso schon wenig Sojaschrot eingesetzt. In der Grassilage ist bereits viel Eiweiß enthalten. Da war die Entscheidung nicht schwierig.“ Und sie bekommen auch 1Cent/Liter mehr für ihre Milch. Die Rabes haben auf Rapsschrot oder Rapsexpeller umgestellt. Der örtliche Landhandel liefert die Ware.

Rohfaser ausgleichen

Fehlende Rohfaser wird mit Heu oder Stroh ausgeglichen. Zusätzliche Energie kommt über Getreide oder Maisschrot in die Tröge.  Mineralfutter ergänzt ebenfalls den Bedarf. „Wenn ich diese Futtermittelproben nicht untersuchen lassen würde, wüsste ich gar nicht was meine Tiere fressen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere und die Milchleistung wäre gar nicht in den Griff zu bekommen“, so die Einstellung des vierfachen Familienvaters.

Haben Sie Fragen zur Futterprobenentnahme oder suchen Sie einen Futternehmer in ihrer Nähe? Informieren Sie sich bei dem Maschinenring in Ihrer Nähe!

Lesen Sie auch unseren Beitrag: Futterproben richtig entnehmen.

Der Betrieb

Neben der Milchwirtschaft werden in der GbR 400 ha Land bewirtschaftet. 200 ha entfallen auf Grünland. Auf der anderen Hälfte wird geackert. Allein 120 ha Mais stehen im Anbauplan. Auf der restlichen Fläche stehen Zuckerrüben, Braugerste, Roggen sowie Grassamen zur Vermehrung. 5 ha Bienenweide gehören ebenso zum Anbauplan.

Die GBR ist Mitglied im Maschinenring Hermannsburg-Bergen. Der Ring erledigt die komplette Maisernte und Zuckerrübenernte. Außerdem ist er Ansprechpartner für Spezialmaschinen, die es im Betrieb selbst nicht gibt.

Text und Foto: Dagmar Hofnagel

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