PF_Luftbild-ackerbau

Luftbilder unterstützen Ackerbau-Entscheidungen

Satelliten und Copter liefern schier unendlich viele Luftbilder, die Äcker und Wiesen genauer zu beurteilen helfen - finanzielle Mehrwerte lassen sich mit diesem zusätzlichen Wissen bisher aber schwer erzielen. Wir haben beim Landwirt Johann Keller nachgefragt, warum er trotzdem schon jetzt in die Zukunftstechnologie einsteigt.

„Das Beste für sich rausholen“

Johann Keller will den Ackerboden riechen, am liebsten jeden Tag. Er will diesen Boden schonend bewirtschaften und für die nächsten Jahrzehnte fruchtbar halten. Und er will so viel wie möglich aus ihm herausholen, auch mithilfe von Copter-Überflügen, Satellitenbildern und der daraus abgeleiteten Präzisionslandwirtschaft. Ein Widerspruch? Wer mit ihm über die Äcker des Gutshofes Möschenfeld läuft und ihn dabei nach seinen Vorstellungen von modernem Ackerbau befragt, der merkt bald: ganz im Gegenteil. „Ich finde es wichtig, offen an Neues heranzugehen, das auszuprobieren und sein eigenes System immer effizienter und auch nachhaltiger zu machen“ sagt der Landwirtschaftsmeister und Gutsverwalter, der im Maschinenring Ebersberg/München-Ost e.V. Mitglied ist. 

Dünger und Saatgut je nach Potenzial

Diesem Anspruch gemäß führt er seit einigen Jahren das Precision Farming in seinen landwirtschaftlichen Alltag ein, langsam und „den Aufwand flach haltend“. Das erste Ziel: Durch immer mehr teilflächenspezifisches Wissen vom Gießkannenprinzip (gleiche Düngermenge und gleiche Saatstärke auf den kompletten Schlägen) weg zu kommen - hin zu einer angepassten Düngung und Aussaat, die das unterschiedliche Potenzial der jeweiligen Bodenverhältnisse innerhalb der Schläge berücksichtigt.  An Stellen mit hohem Ertragspotenzial hält Keller es für sinnvoll, mehr Dünger und mehr Saatgut auszubringen, an anderen Flächenabschnitten reduziert er beides – weil der Boden hier schneller an seine Ertragsgrenze kommt und der zusätzliche Aufwand sich für ihn nicht lohnt. Zusätzlich versucht er, die GPS-Technik auch zum Anlegen von festen Fahrgassen zu nutzen, um den Bodendruck zu senken und die Böden so fruchtbarer zu machen.

Mit Partner arbeiten

Mehr Geld bringt das bisher noch nicht – aber immer mehr Erfahrung und Wissen. Und durch Kooperationen mit Unternehmen wie geo-konzept oder AGCO Fendt, die selbst sehr viel Interesse am Sammeln von Praxiserfahrung haben, ist das flach halten des Aufwands auch durchaus machbar. Die Bedingungen auf dem Gutshof Möschenfeld sind für Feldversuche unter realen Bedingungen recht gut: 400 Hektar Ackerflächen, ein gut sortierter Fuhrpark und ein aufgeschlossener Betriebsleiter mit weitgehender Freiheit, die Flächen nach seinen Vorstellungen zu bewirtschaften, bilden gute Voraussetzungen für Praxisprojekte.

Für reine Spielereien ist allerdings kein Platz auf Gut Möschenfeld: Am Ende müssen die Zahlen stimmen. Alle Einzelentscheidungen kann Johann Keller in seiner Funktion als Verwalter der Flächen in Eigenverantwortung treffen, aber unter dem Strich erwartet der Besitzer des Gutshofes – Milliardär Wilhelm von Finck - von ihm ein finanziell erfolgreiches Wirtschaften. Um das sicherzustellen, sind für Johann Keller gute Partner und Dienstleister wichtig. Gerade auch beim Einstieg in die teilflächenspezifische Bewirtschaftung. „Man muss nicht alles selbst können“, so sein Credo. Die Überflüge mit den Coptern sowie die Aufbereitung der Daten aus den Flugbildern übernimmt das Unternehmen geo-konzept GmbH. Bei der Optimierung der Technik für eine reibungslose Kommunikation zwischen Schlepper und Arbeitsgeräten sind die Hersteller mit im Boot. Und bei der Arbeit draußen auf den Feldern arbeitet Johann Keller viel mit zwei Landwirten aus der Nachbarschaft, die mit seiner komplexen, GPS-basierten Technik vertraut sind und die im Gegenzug für ihre Leistung vom Gut Möschenfeld bei der Aussaat, der Düngung und dem Pflanzenschutz unterstützt werden. Einer der Partner – der junge Landwirt Florian Freytag – nutzt dabei auch die Gelegenheit, mit seinen Flächen in die teilflächenspezifische Bewirtschaftung einzusteigen.

N-Sensor aus der Luft

Zum Beispiel bei der Stickstoffdüngung. „ Wenn die Vegetation am Explodieren ist, lassen wir die Copter über die Äcker fliegen“ erklärt Johann Keller, „das bringt Erkenntnisse über den Zustand der Pflanzen, die wir sofort in die Berechnung der N-Gabe umsetzen können“. Sofort heißt hier: Sobald der Copter gelandet ist, werden die Daten eingelesen und in Streukarten umgesetzt. „Die Copter machen den gleichen Job wie ein N-Sensor“, so Keller weiter, „sie zeigen mir genau auf, wo ich mehr und wo weniger Stickstoff ausbringen muss. Das läuft rund: Wenn mein Dienstleister, der den Überflug erledigt, vom Hof fährt, sitze ich schon auf dem Schlepper und arbeite die topaktuellen Streukarten ab“.

Die Preise für diese Dienstleistung wollen weder Johann Keller noch geo-konzept nennen – es handle sich um eine Art Pilotprojekt, bei dem geo-konzept die gesamte Dienstleistung (Überflug plus Aufbereitung der Daten) unter realen Bedingungen durchspielt. Das Ziel des Unternehmens ist es dabei, Copter und Technik an potenzielle Dienstleister zu verkaufen, die dann vor Ort aktiv sind. Prädestiniert dafür wären die Maschinenringe – da sind sich Johann Keller und Michael Westphal von geo-konzept einig.

„Feuer unterm Dach“

Voraussetzung für eine runde Dienstleistung ist dabei natürlich, dass die teilflächenspezifische Technik dann auch funktioniert. Das klappt inzwischen laut Johann Keller in seinem Fall meistens recht gut – wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Das Software-Update am Düngerstreuer hat erst kürzlich wieder zu eineinhalb Tagen Ausfall des Geräts gesorgt. „Da ist dann Feuer unterm Dach“ erzählt Keller. Seine Erfahrung ist, dass mit diesen Problemen derzeit alle Landwirte zu kämpfen hätten, die in die Zukunftstechnologien einsteigen wollen. Trotz guter Partner und einer angepassten Technik („Auf ISOBUS kann man sich nicht verlassen, wir nutzen nur noch unsere eigene, passend gemachte Technik “) ist also immer noch reichlich Lehrgeld zu zahlen.

Für Johann Keller ändert das aber nichts daran, dass die Präzisionslandwirtschaft viel Potenzial in sich trägt – und sich am Ende auch durchsetzen wird: „In der nächsten Generation sieht das alles ja schon ganz anders aus. Mein Sohn setzt sich in den Schlepper und drückt ganz selbstverständlich die Knöpfe. 2006 bin ich von Besuchern aus Österreich noch völlig verständnislos angeschaut worden, als ich ihnen unser Parallelfahrsystem gezeigt habe. Das braucht doch keiner, hieß es damals. Ich bin überzeugt, dass heute keiner mehr zurück will, der es in seinen Betrieb integriert hat. Es geht alles weiter, und ich denke, das ist auch gut so“.

 luftbilder unterstuetzen den Ackerbau

Satelliten oder Copter?

 Um möglichst exakte Informationen über die Bodenbeschaffenheit von Äckern zu bekommen, lassen sich unterschiedliche Analysesysteme zusammenführen: Das bewährte Prinzip der Bodenproben (um die Grunddüngung zu berechnen) kann mithilfe von Satellitenbildern und Fotos von Copter-Überflügen optimiert werden.

Die Satellitenbilder haben dabei den Vorteil, dass sie nahezu kostenfrei zu bekommen sind. Allerdings sind sie weit weniger detailliert als die Copter-Bilder und können zudem nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt abgerufen werden. An vielen Tagen verhindert schlichtweg die Wolkendecke, dass vom All aus fotografiert werden kann. Und auch die Umlaufbahn der Satelliten gibt gewisse Einschränkungen vor: Nicht an jedem Tag ist jeder Schlag im Visier der Satelliten. Deshalb sind Satellitenbilder eher für eine grundsätzliche Analyse der Bodenverhältnisse und für die Erstellung von Managementzonenkarten sinnvoll.

Für aktuellere Informationen müssen Drohnen – je nach Anwendung mit Sensoren bestückt – aufsteigen. Im Grundsatz geht es hierbei dann darum, die Vitalität der Pflanzen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erfassen und daraus Rückschlüsse auf eventuell nötige Behandlungen zu schließen. Das betrifft nicht nur die Versorgung mit Dünger, sondern es können eine Vielzahl weiterer Faktoren erfasst werden: Schädlinge, Unkräuter, Krankheiten oder Trockenheitsschäden sind einige Beispiele dafür.

Weitere Artikel

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren.

Kommentare