Notfallordner mit diesen Tipps schnell zum Ziel !

Jeder Landwirt braucht einen Notfallordner.

Das ist genauso bekannt, wie es häufig verdrängt wird. Sollten Sie als Betriebsleiter plötzlich durch einen Unfall, Quarantäne, Krankenhausaufenthalt oder sogar Tod den Betrieb nicht mehr führen können, müssen Ihre Angehörigen und Betriebshelfer möglichst schnell einen Überblick über den Betrieb und die täglichen Abläufe gewinnen. Stellen Sie daher alle privaten und betrieblichen Informationen im Notfallordner zusammen. In der ohnehin für die Betroffenen schwierigen familiären Situationen hilft er, die wichtigsten Schritte einzuleiten. Sinnvoll ist solch einen Ordner in die Abschnitte "Allgemein", "Betrieb" und "Privat & Familie" zu gliedern.

1. Allgemeine Informationen

Den Beginn macht der Bereich Allgemein, mit Informationen für die ersten Handlungen nach Eintritt des Notfalls. Diese Notfallinformationen sollten Sie auch im persönlichen Portemonnaie mitführen. Das ist wichtig:

  • Ansprechpartner und deren Kontaktdaten
  • Informationen, die Ihren Gesundheitszustand betreffen (Medikamenteneinnahmen, Allergien, Erkrankungen)
  • Übersicht über Vollmachten und Verfügungen.

 

2. Betriebliche Informationen

Anschließend folgt der Abschnitt Betrieb, der insbesondere für betriebsfremde Personen, wie z.B. Betriebshelfer, hilfreich ist. Versuchen Sie, mit dem Blick eines Fremden auf Ihren Betrieb zu schauen. Das sollte im Plan stehen:

  • Übersicht über die Wirtschaftsgebäude und bewirtschafteten Flächen
  • Besonderheiten, die selbst nur eine Kleinigkeit darstellen, wie z.B. die Bedienung der elektronischen Mahl- und Mischanlage oder Fütterungs-/Klimaanlage, des Melkroboters oder der GPS-gesteuerten Traktoren, stellen für einen Betriebsfremden oftmals eine Hürde dar und sollten unbedingt erläutert werden
  • Passwörter/PINs, die für den Betrieb von technischen Anlagen notwendig sind, sollten ebenfalls in diesem Abschnitt stehen
  • Personen, die den Zugang oder die Vollmacht zu sensiblen Daten (Online-Banking, Tresor, PC mit Buchführungs- und ELSTER-Steuerdaten) besitzen
  • Wichtige Lieferanten, Kunden und Dienstleister wie Berater, Tierarzt usw. mit Kontaktdaten
  • betriebswirtschaftliche Dinge wie wichtige Fristen für z.B. Dieselanträge oder den Agrarantrag, damit diese Zahlungen dem Betrieb durch Versäumnisse nicht entgehen
  • Übersicht zu den betriebliche Versicherungen

 

3. Privat und Familie

Im Abschnitt Privat und Familie sollten neben der rechtlichen Absicherung auch die privaten Versicherungen ein Thema sein.

  • Nachfolgeregelung: Im Sinne des Fortbestandes des Betriebes sollten Sie frühzeitig regeln und schriftlich festhalten, wie der Betrieb einmal weitergeführt werden soll.
  • Wichtige Dokumente: In dem Ordner wird erläutert, wo sich wichtige Dokumente befinden oder wo diese hinterlegt sind (Bank- und Vorsorge-Vollmacht, Patientenverfügung, Testament, persönliche Urkunden, Übergabeverträge inkl. Kauf- und Pachtverträge, Vermögenswerte, Liquiditätsübersicht, Passwörter, IDs, PINs und Versicherungen).
  • Erstellen Sie eine Vorsorgevollmacht, die u.a. regelt, wer im eingetretenen Notfall den Betrieb weiterführt.
  • Entscheidend ist, dass der angelegte und so betitelte "Notfallordner" optisch ins Auge fällt, damit Ihre Familienangehörigen, Freunde oder Ihre Vertretung den Ordner sofort finden! Sprechen Sie mit Ihrer Familie, dass es einen solche Notfallhilfe gibt und wo diese im Ordner zu finden ist. Prüfen und aktualisieren Sie die Daten. Machen Sie es zur Routine und binden Sie Partner/Hofnachfolger mit ein.

 

4. Aber womit beginnt man?

Die Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern (LfL) und die Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen (LWK-NRW) halten detaillierte Vordrucke bereit.

LfL Bayern: Mit Hilfe einer Checkliste, den Vordrucken, Formularen und Merkblättern kann jeder Betrieb einen individuellen Notfall-Ordner erstellen, in dem alle wichtigen Informationen zum Betrieb und zur Familie gesammelt sind bzw. ihr Aufbewahrungsort beschrieben ist. Somit stehen in einer Notfallsituation den helfenden und unterstützenden Personen schnell alle wichtigen Informationen zur Verfügung. Hier gehts zum kostenfreien Download.

LWK-NRW: Für die Betriebszweige Milchviehhaltung, Mastschweineproduktion und Ferkelerzeugung gibt es je eine Version mit Beispielen und eine Leerversion. Sie können die Datei ausdrucken und ein papiergebundenes Notfallhandbuch zusammenstellen oder die Daten direkt in der Excel-Datei eintragen und in Ihrem PC speichern. Hier geht’s zum kostenfreien Download.

Lesen Sie auch, wie im Ernstfall mit den Betriebshelfern der Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) über den Maschinenring Ihr Betrieb weitergeführt werden kann und den Beitrag: Krankheit, Unfall – wie geht’s weiter?

Text auszugsweise:
Ulrich Stahl, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH)/We

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